- Preset:
ShortSlowfür stationäre Clients wählen. - Aufbau: Eine 868 MHz-Peitschenantenne (≈17 cm) hoch und frei montieren. Mind. 2 m über Boden, Abstand zu Metall/Wasserleitungen, freie Sicht beachten.
- Mitmachen: Mindestens einen hoch montierten Solar-Router plus einen Client betreiben. So wächst das Netz fair und robust.
Warum dieser Beitrag
LongFast als Standard war sinnvoll, als die Netze noch sehr klein waren, oder hauptsächlich für Wandergruppen genutzt wurde. In großen, dichten Netzen blockieren lange Airtimes den Kanal. Der offizielle Beitrag erläutert das und empfiehlt schnellerer Presets, ab ~60+ Nodes über einen Wechsel nachzudenken (Meshtastic-Blog). Ich bestätige das aus der Praxis in NRW. Wenn ich meine Meshtastic-Nodes auf LongFast umstelle, empfange ich innerhalb von einem Tag über 200 Nodes auf LongFast.
Beobachtungen aus NRW
- Start mit LongFast (1.07kbps): Viele sichtbare Nodes, aber wenig echte Kommunikation.
- MediumFast (3.52kbps): Deutlich bessere Nutzbarkeit. In mehreren Szenarien höhere SNR beobachtet trotz kürzerer Airtime.
- ShortSlow (6.25kbps): Bester Kompromiss für stationäre Netze: hohe Nutzbarkeit, gute Reichweite, klare Entlastung des Kanals.
- ShortFast (10.94kbps): Erst hier traten spürbare Reichweitenverluste auf, davor stabil.
- ShortTurbo (21.88kbps): Durch 500kHz Bandbreite ist das in Deutschland nicht erlaubt.
Szenarien: Tal-/Bergstrecken, Indoor-Punkte (z. B. Supermarkt), Oberberg ⇄ Köln/Bonn. Tests an festen Punkten mit wiederholten Läufen.
Empfehlungen für stationäre Netze
- ShortSlow als Default-Preset für stationäre Nodes.
- Router-Kanal trennen: z. B.
NRW_Routerstatt Standard-Kanal. Entlastet die öffentliche Kanalliste. - Standort teilen: Router positionell wenigstens grob angeben, um Lücken zu erkennen.
- Hops für Router 0–3, Router-Telemetrie nicht ins öffentliche Netz fluten.
- Standard bewusst setzen: LongFast bleibt ok für kleine Gruppen/Wanderungen. Für öffentliche stationäre Netze hat sich ShortSlow bewährt.
- Clients auf Client_Mute stellen. Die Clients brauchen meistens im stationären Netz nichts weiterleiten und führen zu inkonsistentem Verhalten.
Hardware und Aufbau
- Antenne: 868 MHz-Peitsche ≈17 cm (oft als „Gizont“ bekannt). Eigenbau-Groundplane und Gizont von Mozi waren in NRW auffallend gut.
- Montage: Hoch, frei, mind. 2 m über Boden. Fresnel-Zone beachten. Ausreichend Abstand zu Stahlträgern, Wasserleitungen, Fenstern.
- SWR prüfen: NanoVNA nutzen und für 869.525mHz messen. Ok: <1.5, Gut: <1.3, sehr gut: <1.2. Viele Antennen lassen sich nachstimmen.
- Fairness: Öffentliche Netze tragen sich nur, wenn viele mindestens einen hohen Router und einen Client betreiben.
Technik-Details in Kürze
Auszug aus den offiziellen Preset-Daten (vereinfacht):
| Preset | Bandbreite | SF | Datenrate | Link-Budget | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| LongFast | 250 kHz | 11 | 1.07 kbit/s | 153 dB | Default, kleine Netze |
| MediumFast | 250 kHz | 9 | 3.52 kbit/s | 148 dB | dichte urbane Netze |
| ShortSlow | 250 kHz | 8 | 6.25 kbit/s | 145.5 dB | stationäre Netze |
| ShortFast | 250 kHz | 7 | 10.94 kbit/s | 143 dB | sehr schnell, kürzere Reichweite |
Hinweis: LongFast → ShortSlow bedeutet ~7.5 dB weniger Link-Budget, wird in der Praxis oft durch kürzere Airtime und weniger Kollisionen überkompensiert.
Regulatorik und Interferenzen
- Duty Cycle EU868: Typisch 1 % Sendezeit pro Stunde. Das begrenzt, wie oft einzelne Geräte senden dürfen (vgl. TTN-Dokumentation).
- 869.525 MHz: Wird u. a. für LoRaWAN-Downlinks (RX2) genutzt. Auch andere Systeme wie Homematic belegen den 868/869-MHz-Bereich. In der Praxis entstehen dort regelmäßig Aussendungen, die lange Meshtastic-Pakete eher treffen als kurze.
Transparenz zur Methodik
Ich habe wiederholt an identischen Punkten getestet und typische Strecken genutzt, aber keine vollständige wissenschaftliche Dokumentation erstellt. Die Befunde sind konsistent und decken sich mit Rückmeldungen aus der NRW-Gruppe.
Fazit
- LongFast war ein guter Startpunkt. Für große, offene stationäre Netze ist ShortSlow die robustere Wahl.
- Getrennte Router-Kanäle, reduzierte Hops und saubere Antennenplätze erhöhen die Nutzbarkeit spürbar.
- Wer neu einsteigt: ShortSlow setzen, Antenne hoch und frei, einen Router beitragen.
Für Fragen, Korrekturen oder bessere Ideen: Bitte melden. Ziel ist ein belastbarer, fairer Stations-Standard für NRW.
Viel Spaß und beste Grüße
Torsten

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